Saturday, January 16, 2010

Sind wir zu Recht empört über den Goldmann-Banker Dibelius?

Auf einer Veranstaltung der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz am 14.1.2010 soll Alexander Dibelius (http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Dibelius) folgendes gesagt haben: „Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern.“ Es sei „unrealistisch und unberechtigt zu erwarten, dass Banken eine selbstlose Beziehung zu ihren Kunden haben, besonders auch bezogen auf die Kreditvergabe“.

Darüber herrscht anscheinend große Empörung in der deutschen Medienlandschaft und der Politik. Sogar ein Herr Steffen Kampeter, seines Zeichens Finanz-Staatssekretär, plustert sich auf mit der Bemerkung, dass Dibelius dem alten hemmungslosen Denken verhaftet sei, welches uns in die Finanzkrise geführt hat.

Ja, Herr Kampeter hat recht. Na und? Was erwarten wir denn? Natürlich haben die Verantwortlichen nur die Gewinnmaximierung und nicht das Gemeinwohl im Sinn. Jetzt könnte jemand argumentieren, dass doch auch die Herren Dibelius und andere ein Interesse an einem funktionieren Staat haben und damit das Gemeinwohl nicht vollständig vernachlässigen sollten. Doch so ist es nicht. Diese Herren brauchen keine funktionierenden Schulen, da ihre Kinder auf private Internate gehen. Diese Herren brauchen keine funktionierende Polizei, da sie sich einen eigenen Wachdienst leisten. Diese Herren brauchen keinen funktionierende Kommune, da sie in der ganzen Welt zu hause sind und ihre Wohnungen eigentlich nur als Schlafgelegenheiten nutzen. Diese Herren brauchen keinen funktionierenden ÖPNV, da sie ihre eigenen Fahrer haben. Nein diese Herren brauchen die Gemeinschaft nicht, deshalb haben sie an dieser auch absolut kein Interesse.

Dieses Verhalten, sich primär an seinen eigenen Interessen zu orientieren und auf das Gemeinwohl zu xxxx, wird doch auch ständig sowohl von der Politik als den Medien propagiert. Vereinfacht ist doch die herrschende Meinung, dass nur ja jeder sich an seinem eigenen Wohl orientieren soll, dann wird Wohlstand erarbeitet, der allen zu gute kommt. Die Personen, die diesen Gedanken konsequent und sehr erfolgreich umsetzen werden, dann Leistungsträger genannt, die es natürlich weiter zu fördern gilt. Warum eigentlich Leistungsträger? Diese tragen doch die Leistung, doch sie erbringen die Leistung nicht. So wie der Fahnenträger die Fahne trägt und nicht erstellt. Wo und wer sind die Leistungserbringer?

Wir sollten uns nicht über Dibelius empören. Nein, wir sollten ihm dankbar sein, dass er klar und deutlich ausspricht, was die Interessen der Banken sind und was übrigens auch jeder Denkender sich selbst erschließen könnte.

Empören sollten wir uns über die Politik, die bis zum heutigen Zeitpunkt nichts aber auch gar nichts getan hat, dass das Verhalten der Banken besser kontrolliert wird. Empören sollten wir uns über die Personen in der Politik, die sich über Herrn Dibelius aufregen, und damit meinen schon viel für das Gemeinwohl zu tun. Wir sollten z.B. Herrn Kampeter fragen, was denn die Regierung sich bisher an Maßnahmen überlegt hat, damit das Geschäftsgebaren der Banken nicht mehr so katastrophale Folgen haben kann. Wo sind die Initiativen für neue Gesetze? Wir sollten uns darüber empören, dass unsere Politik sich am Wohle der Leistungsträger wie Herrn Dibelius orientiert und nicht an dem Wohle derjenigen, die die Arbeit erbringen und Wohlstand schaffen.

Darüber sollten wir uns empören.

Was können wir tun? Wir können unsere Volksvertreter immer wieder fragen, was sie denn gerade für unseren Schutz gegen das Gebaren der Banken tun. Dort, wo es keine Antworten gibt oder diese völliger Blödsinn sind, können wir die Konsequenzen ziehen. Wir können dafür sorgen, dass nicht diejenigen, die das Verhalten propagieren, dass uns in die Krise geführt hat, zu lange in der Regierung bleiben. Wir können dafür sorgen, dass eine Wirtschaftspolitik betrieben wird, die sich an den Überlegungen eines Flassbecks und nicht eine Sinns orientiert. Womit sie übrigens sinnvoller wird. Ja, dass können wir alles tun. Doch wir sollten keine Energie verschwenden, um uns über ein Herrn Dibelius zu empören.